The World Beyond... If

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The World Beyond... If

Beitrag  Cho Izanami am Di Sep 01, 2015 11:39 pm

Der Himmel sah aus wie aufgerissen, die Erde war schwarz, das Wasser verfärbte sich rot. Pechschwarze Wolken trieben wie Fetzen von Totenlaken über den Himmel und Donnerschläge erschütterten die Stadt. New York sah nicht gut aus. Mehrere Erdbeben hatten große Teile der Infrastruktur stark beschädigt, es waren Feuer ausgebrochen. Millenia stand im Park und besah sich ungläubig, wie die Bäume vor ihren Augen starben. Sie hatten alles getan, was sie hatten tun können und trotzdem war der Anfang vom Ende gekommen. Was war nur schief gelaufen?
Sie hörte etwas und wand sich um. Das dämonische Gewürm kroch jetzt überall aus seinen Löchern. Sie zählte sechs, sieben, acht, die sich ihr im Schatten der grauen Bäume näherten. Sie ergriff die Flucht, dafür hatte sie keine Zeit. Sie lief zu Chitose, denn die Seherin hatte sie angerufen. Und da sie gesagt hatte, Millenia solle so schnell wie möglich zu ihr kommen, umging sie jede Auseinandersetzung, die sie umgehen konnte und beeilte sich. Im Reichenviertel wurde es etwas leerer und sie kam schneller voran. Sie erreichte das Grundstück und quetschte sich durch den Spalt, den das Tor offenstand. Sogar die schwere Haustür war offen und Millenia konnte ungehindert in den blauen Salon laufen, in dem Chitose ihre Gäste für gewöhnlich empfing.
Chitose schloß gerade den Vogelkäfig. "Nein Irene, es wäre mir lieber, Sie würden das Haus schnellstmöglich verlassen. Ich komme schon allein zurecht." Das Dienstmädchen wirkte sehr verzweifelt. "Aber Ihr Vater bezahlt mich dafür, mich um Sie zu kümmern, Mylady. Ich kann doch nicht weglaufen!" Chitose lächelte sie sanft an. "Aber das tun Sie ja gar nicht, Irene. Sehr bald wird es hier nicht mehr sicher sein. Wenn Sie gehen, dann ist das sicherer für Sie." Das Dienstmädchen schüttelte den Kopf. "Aber Sie werden Hilfe brauchen." Chitose wand sich zu Millenia. Der Kanarienvogel saß auf ihrer Schulter. "Aber Millenia ist ja hier und hilft mir. Jetzt verriegeln Sie schon das Haus und dann nehmen Sie den Hubschrauber. Und das ist ein Befehl." Eilig verneigte sich das Mädchen und dann eilte sie in den Flur. "Millenia, bitte, es sieht gar nicht gut aus." Millenia ging zu der blinden Seherin herüber. "Chitose, was ist denn passiert?"
"Die Hölle ist los. Im wahrsten Sinne des Wortes." krähte der Vogel. "Sehr treffend, Rufus." nickte Chitose. "Lucifers Siegel sind gebrochen. Wer hätte es gedacht, aber dies hier, Millenia, ist der Tag des jüngsten Gerichts." Millenia starrte sie ungläubig an.sie war ganz erstarrt. "Aber das kann doch nicht sein..." murmelte sie. Chitose legte die Hand auf Millenias Arm. "Irene, Rufus und ich, wir werden alle Sicherheitssysteme des Hauses aktivieren und versuchen, das Hauptquartier hier so lange es geht am Laufen zu halten." Ihre Augen begannen, geheimnisvoll zu schimmern. "Deine Freunde brauchen dich!" Millenia packte das Mädchen. "Wo?" Chitose sah auf. "Am Fluss! Es sind sehr viele. Beeil dich!" Millenia ließ sie los und rannte zur Tür. "Pass bloß auf dich auf." rief sie Chitose noch zu, dann war sie weg. Das blinde Mädchen und ihr Kanarienvogel gingen zur anderen Tür. "Wir müssen die Stahlläden herunterlassen, Rufus. Und auf interne Energie umschalten." Der Vogel hüpfte von ihrer Schulter und verwandelte sich in einen kleinen blonden zerzausten Jungen. "Und bitte, schalte die Leuchten am Heliport an." bat Chitose ihn. "Wir müssen alle Anderen sofort ausfliegen. Sie sind nah."

Millenia sah den Hudson schon durch die Bäume, als sie den Schmerzensschrei hörte. Sie beschleunigte und hielt nicht an, als sie durch die Bäume brach. Sharon saß am Boden und der Dämon vor ihr holte aus, um sie mit dem Schwert zu erstechen. Millenia rammte ihn mit der Schulter voran und sie hörte Sharon nach ihr rufen, als sie in einem Gewirr aus Metall und Körper zu Boden fiel. Sie spürte einen stechenden Schmerz in der Seite, rappelte sich aber eilig wieder auf und versetzte dem Dämon einen Tritt in sein dreckiges Grinsen, bevor er richtig aufgestanden war. Er kippte hintenüber und gab ihr damit Zeit, das Schwert aufzuheben und ihm den Kopf abzuschlagen. Sie ließ die Klinge fallen und ging zurück zu Sharon, die offenbar vergeblich versucht hatte, sich aufzurichten. Sie kauerte auf allen vieren vornüber gebeugt und keuchte. "Alles ok?" fragte Millenia. Sharon schüttelte den Kopf. Als Millenia sich vor sie kniete, spürte sie, wie ihre Jeans durchnässt wurde. "Was ist passiert, lass mich sehen!" Sie richtete Sharon an den Schultern auf. "Er hat mich erwischt, ungefähr hier." Sie legte die Hand unter ihre Brust. "Kannst du aufstehen?" fragte Millenia, dann hörte sie jemanden rufen. Kratos tauchte am Rand der Bäume auf. "Kratos! Sharon ist verletzt!" Sofort kam er herüber und beschwor diese kleine Lichtkugel. "Was ist passiert?" fragte er, aber Millenia war zu sehr damit beschäftigt, den leicht dampfenden Schnitt anzustarren, der sich von links nach rechts über Sharons oberen Bauch zog. Ihre gesamte Kleidung war blutgetränkt. "Oh nein..." Kratos löschte das Licht und legte den Arm um Sharons Schulter. "Ruf alle zurück." sagte er zu Leni. "Ich bringe Sharon zu Chitose. Los!" Millenia nickte und rannte sofort das Flussufer entlang, während Kratos Sharon hochhob. Die Erde unter ihren Füßen begann sich zu bewegen und sie stolperte beinahe. Unter der nächsten Straßenlaterne entdeckte sie Cole. "Cole! Rückzug!" brüllte sie ihm entgegen. Er sah kurz auf, musste sich dann aber nochmal verteidigen. "Sofort!" rief Millenia und er riss sich los und rannte zu ihr herüber. "Wohin?"
"Ins Hauptquartier, schnell!" Gemeinsam rannten sie den Weg zurück. Von der Seite tauchte Dae auf. "Schnell!" trieb sie sie an. "Wo ist Sharon?" fragte Cole. "Kratos bringt sie zurück, sie ist verletzt." Cole fluchte ziemlich hässlich. Dae beschleunigte mithilfe ihrer Vampirkräfte und erreichte so das Tor als Erste. Sie riss es noch ein wenig auf, ließ Millenia und Cole passieren und warf sich dann dagegen. Das Tor ächzte, aber es bewegte sich zu wenig. Sie versuchte es nochmal, da tauchte Rukos massive Schulter neben ihr auf. "Feste!" Das Tor ruckte und fiel dann mit einem lauten Knirschen zu. Dae keuchte. "Nix wie rein!"

Sharon brüllte auf. "Du verdammter Arsch!" wimmerte sie. "Tut mir Leid." gab Kratos nur zurück und schloß den Knoten um ihren Brustkorb. Sie keuchte und dann rumste die Tür auf. Cole kam herein gerauscht. "Was ist passiert?" fragte er sofort. "Ich hab ein Schwert abgekriegt." keuchte Sharon. "Und es sieht hässlich aus." murmelte Kratos. "Wie hässlich?" fragte Cole laut. "Beruhig dich." sagte Millenia zu ihm. "Wie hässlich?" fragte er wieder, diesmal lauter. "Sie muss zu einem Arzt." sagte Chitose plötzlich und alle sahen zu ihr. "Das Problem ist, das wir nicht wissen, ob unsere Ärzte noch leben oder nicht." Es folgte betretene Stille. Die von einem plötzlichen lauten Knallen der Vordertür unterbrochen wurde. Ein Kanarienvogel kam zur Tür hereingetaumelt. Millenia fing ihn auf, bevor er abstürzte. "Rufus!" Chitose hob den Kopf. "Was ist passiert, Rufus?" Der Vogel keuchte regelrecht. "Sie sind reingekommen. Tut mir Leid." Millenia sah das Blut auf ihrer Hand. "Chitose..." Das blinde Mädchen streckte die Hände aus und Millenia legte den Vogel vorsichtig hinein. Sharon stöhnte auf. „Es tut so weh…“ Millenia sah von Sharon zu Chitose. „Sie braucht den Arzt. Schnell! Können wir einen holen?“
"Ein bisschen aufhalten kann ich sie noch." sagte der Vogel. Kartons lauschte. „Ich glaube nicht, das wir das schaffen. Wir können hier nicht mehr lange bleiben. Geschweige denn auf einen Arzt warten.“ Chitose hob den Kopf. "Wir ziehen uns in den Bunker im Keller zurück. Sofort." Cole hob Sharon vom Tisch. Shen tauchte auf und öffnete ihnen die Tür. "Hier lang." sagte er und Millenia schob Cole und Sharon zuerst hindurch. Kratos wartete dafür auf sie.
"Ich gehe raus. Mach du, das du wegkommst." sagte Rufus und rappelte sich auf. Dafür krächzte er fürchterlich, als sie ihn festhielt. "Nein, Rufus. Du solltest nicht weiter kämpfen. Du hast uns so viel geholfen." Sie begann, die Entlassungsformel zu sprechen und Rufus schlug panisch mit den Flügeln. "Was machst du denn? Du Dummkopf!" Chitose beendete die Entlassungsformel und Rufus begann, sich aufzulösen. "Auf Wiedersehen, Rufus."

Shen schloß die Tür hinter Chitose, die ihnen jetzt voranging. „Hier lang.“ Ohne Rufus bewegte sie sich deutlich langsamer, wusste aber offensichtlich, wo sie hin musste. „Ich weiß nicht, wie lange die Anderen draußen noch standhalten können.“ So schnell es ging folgten sie Chitose den Gang hinunter. Hinter der nächsten Biegung traf ihr Flur auf einen Anderen. Aus diesem anderen Flur tauchten Dae, Ruko, Haji und Cho mit dem kleinen Kind an der Hand auf. „Sharon! Was ist passiert?“ Auch Haji trat besorgt zu ihr. „Sie ist verletzt.“ sagte Kratos so ruhig er konnte. „Kannst du ihr helfen?“ fragte Cole sofort. „Lass sie sehen.“ sagte Haji ruhig. Vorsichtig öffnete Cho den Knoten des Druckverbandes. Sharon wimmerte auf. Chos Gesicht wurde bleich. „Ich… ich glaube nicht.“ Ein lauter Knall ließ den Boden erzittern. „Du glaubst nicht?“ sagte Cole etwas lauter. „Nicht so schnell… ich bräuchte Zeit…“ Es knallte erneut. „Ich fürchte, du hast keine Zeit.“ sagte Kratos. „Was machen wir denn jetzt? Sie wird sterben.“ Millenia schluckte die deutlich hörbare Hysterie herunter. Zusammen beeilten sie sich den Gang weiter hinunter. „Wir könnten sie einfrieren.“ sagte Shen. Er erntete verwirrte Blicke. „Dann können wir sie behandeln, wenn der Arzt hier ist. Gute Idee.“ sagte Chitose. „Beeilen wir uns.“ Sie stolperten den Gang hinunter bis zu einer Treppe, an dessen Fuß der Gang niedriger wurde. Im Gang hinter ihnen erklangen Schritte. „Schneller.“ sagte Dae. Sie und Haji zogen die Waffen und gaben Schüsse nach hinten ab. „Es werden immer mehr.“ sagte die Drakulina, dann erwiderten die Dämonen hinter ihnen das Feuer. Erschrocken zogen die Anderen die Köpfe ein. „Hilf mir.“ bat Chitose Ruko und er zog eine dicke Tür am Ende des Ganges auf. „Rein, schnell!“ Dae und Haji gaben ihnen Feuerschutz, als erst Chitose und dann Cole mit Sharon in den Raum stolperten. Kugeln flogen ihnen um die Ohren. Millenia sah über die Schulter… und dann spürte sie einen heißen stechenden Schmerz im Rücken. „Leni!“ Kratos packte sie und zerrte sie hinter die Tür. Der Raum dahinter war kühl und düster. Haji schlüpfte als Letzter durch die Panzertür und schloß sie. Millenia ging sofort zu Boden. Cho tauchte in ihrem Sichtfeld auf. „Gib mir deine Jacke!“ Kratos Jacke tauchte über ihr auf. „Leni. Leni, das tut jetzt weh, pass auf!“ Cho drückte die Jacke auf Millenias Hüfte und der Schmerz explodierte regelrecht. Millenia sah an sich herab und bemerkte die Schürfwunde an ihrer Seite und das Blut. Sie war getroffen. Oh Nein.
„Bringt die Beiden in das hintere Zimmer.“ sagte Chitose. Millenia spürte, das sie jemand vorsichtig hochhob, aber es tat trotzdem so weh, das sie aufschrie. „Shhh.“ machte Kratos. Er hielt sie fest. „Ganz ruhig, Leni. Alles ist gut.“ Er klang ruhig, aber sie konnte hören, wie schnell sein Herz schlug. Es folgte ein weiterer kurzer Gang. Das eilte voran und riss die nächste Tür auf. Cole legte Sharon auf den Holztisch darin. „Was machen wir jetzt?“ fragte er, deutlich panisch. „Wir frieren beide ein.“ beschloß Haji. Chitose nickte. Kratos setzte Millenia vorsichtig ab. Millenia griff nach ihm. „Kratos…“ Er kniete sich zu ihr. „Ganz ruhig, Leni. Das tut nicht weh. Du wirst eine Weile schlafen, bis es hier sicher ist und wir dich wieder auftauen. Und dann kommst du direkt zu Caim, ok?“ Sie nickte. Shen wand sich an die panische Cho. „Beruhig dich, ich brauche dich jetzt. Die beiden Mädchen brauchen dich jetzt.“ Cho schluckte die Tränen und nickte. „Ist ok…“ Millenia spürte, das ihre Sinne schwanden, während Shen Cho erklärte, was sie machen musste. „Wann…“ fragte sie schwach. „Nicht lang.“ versprach Kratos leise. Er zitterte. „Ein paar Tage.“ Er legte seine Hand auf ihre, die die Jacke auf die Wunde drückte. Ein Durchschuss. Ihre Finger wurden kalt und ihre Sicht schwand. „Kratos?“ fragte Millenia leise. „Ja?“ Sie lächelte ihn an. Das fiel ihr leicht. „Ich danke dir…“ Er lehnte seine Stirn an ihre. „Nein…“ Sie nickte. „Doch, danke… Ich liebe dich…“ Ihre Augenlider wurden so schwer, das sie sie zumachte. Sie hörte, wie er zitternd einatmete. „Ich dich auch, Leni…“ Dann spürte sie, wie ihre Füße steif wurden, als würde sie versteinern. „Wir tauen dich wieder auf, wenn wir das hier überstanden haben…“ versprach er. Millenia hörte, wie Dae und Ruko zurück zur Panzertür rannten. Dann verschwanden ihre Sinne und alles wurde friedlich und still.

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Chapter 1: The Awakening

Beitrag  Cho Izanami am Mi Sep 02, 2015 2:09 pm

Gefühl kehrte in Millenias Fingerspitzen zurück, dann in ihre Arme, ihren Kopf, den Torso und die Beine. Sie schlug die Augen auf und blickte sich um in dem düsteren Räumchen. Sie blinzelte zweimal, dann erinnerte sie sich an die Dinge, die passiert waren. Eilig sah sie an sich herunter, aber die Schusswunde war verschwunden, nur eine kreisrunde Narbe war zu sehen. „Was…?“ Sie verdrehte sich beinahe den Hals, um ihren Rücken zu sehen. Kein Blut. Sie war noch etwas steif in den Gelenke und zog sich mit eckigen Bewegungen am Tisch hoch auf die Beine, die noch etwas zittrig waren. Von der Tischplatte erhob sich gerade Sharon. „Leni?“ stöhnte sie. „Wo bist du?“ Millenia legte die Hand auf Sharons Arm. „Hier.“ Sharon tastete Milanen Arm entlang. „Ist es so dunkel hier oder sehe ich einfach nicht gut?“ Millenia sah sich um. „Es ist dunkel. Aber nicht so dunkel.“ Sharon schüttelte den Kopf und blinzelte ein paar Mal schnell. „So langsam wird's besser. Wa ist passiert?“ Millen sah sich um. „Wir sind aufgetaut, aber… ich sehe niemanden.“ Sharon schwang die Beine über die Tischkante und schielte. „Hilfe, Schwindel…“ Millenia lachte und stellte sich endlich grade hin. „Ich fühle mich, als hätte ich ein ganzes Fass Wein alleine gekippt.“ Auch Sharon kicherte jetzt. „Offenbar war ich beteiligt. Himmel, ich kann noch gar nicht richtig stehen.“ Beide brauchten noch einen Moment, bis ihr Gleichgewichtssinn wieder funktionierte. Dann gingen sie zur Tür. „So, ihr könnt jetzt aufmachen. Shen? Wir können stehen, es ist alles gut.“ Es kam keine Antwort. „Ich schwöre euch, mir steht nicht der Sinn nach einer Überraschungsparty.“ murrte Sharon. Millenia zog die Tür auf. „Ist doch…. gut?“ Der Gang war leer. Die beiden Mädchen sahen sich an. „Ooookeeee….“ machte Sharon. Zusammen gingen sie langsam den Gang hinunter in den Hauptraum des Bunkers. „Ach du Schande…“ entfuhr es Sharon. Das Dach des Bunkers war aufgerissen und man konnte einen schmutzig-grauen Himmel erkennen. Alles war mit Staub bedeckt. „Was zur Hölle ist passiert?“ fragte sich Millenia laut. „Mit was haben die das Haus angegriffen? Mit nem Tarnkappenbomber?“ Sharon hob den Kopf. „Ich höre Schritte.“ sagte sie und richtete die Augen auf den Riss in der Decke. „Jemand kommt her! Und zwar ziemlich schnell.“ Beide wichen etwas Richtung Tür zurück und gingen in den stabilen Stand. Ein dunkler Schatten wanderte den Riss entlang, die Schritte wurden lauter und dann hörte man ein schreckliches Gekreische, das Sharon in den empfindlichen Ohren wehtat. Und dann huschte etwas durch den Riss hinein. Etwas kleines, das sofort geduckt sitzen blieb. Der Schatten und das Gekreisch zogen vorbei und man hörte ein erleichtertes Aufatmen. Es war ein Kind. Ein Mädchen mit wunderschönem dunkelrotem Haar. In einer Hand hielt sie ein kleines Messer und sie sah ziemlich verdreckt aus. Aufmerksam sah sie nach oben und richtete sich auf. Millenia beschloss, das Wort zu ergreifen. „Das Messer weg.“ Erschrocken wirbelte sie zu ihnen herum und dann wurden ihre aschgrauen Augen riesengroß. „Ich fasse es nicht…“ sagte sie. Sharon nutzte die Zeit, sie sekundenschnell zu mustern. Sie trug eine schmutzige helle Jeans, die an einem Knie aufgerissen war und Turnschuhe, die aussahen, als seien sie schon ewig im Einsatz. Ihr Langarmshirt war ebenfalls schmutzig, aber hellblau. Sie war klein und vermutlich noch nicht mal 12. Plötzlich gab sie ein erfreutes Quieken von sich und hüpfte auf und ab. „Es hat geklappt, es hat geklappt!“ Millenia und Sharon tauschten einen verwirrten Blick aus. „Was hat geklappt? Wer bist du eigentlich und was machst du hier?“ Aber das Mädchen war zu sehr damit beschäftigt, sich zu freuen. Sie kam herüber gerannt, packte Millenia am Handgelenk und hüpfte wieder. „Ich wusste es, aber mir wollte keiner glauben!“ Mlllenia beäugte ihre andere Hand misstrauisch. „In deinem Alter solltest du nicht mit einem Messer spielen, weißt du das? Das ist gefährlich.“ Die Kleine sah sie verwirrt an. „Ach ja, genau.“ Sie steckte das Messer in eine Scheide an ihrer Hüfte und strahlte dann beide an. „Jetzt seit ihr endlich wieder wach. Das ist so toll. Oh, Moment.“ Ihre Augen wurden sogar noch viel größer. „Ohh, ihr müsst sofort hier weg, bevor sie es bemerken. Ich bringe euch ins Hauptquartier, ja. Schnell.“ Sie zerrte an Millenias Arm, die überrascht hinter dem Kind herstolperte und dabei auch noch Sharon mitzog. „Du bist ganz schön stark für…. wie alt bist du?“
„Fast acht.“ sagte sie. „Los, kommt, kommt, kommt, wir sollten uns beeilen, bevor die Patrouillen wieder kommen.“ Sie zerrte die gewaltige Panzertür auf und trat hinaus, wobei sie einen leichten Schimmer passierte. „Was…?“ Das Kind wand sich ungeduldig um. „Beeilung.“
„Moment mal, immer langsam mit den jungen Pferden.“ sagt Millenia, trat durch den sanften Schimmer und schnappte sich das Kind am Arm, bevor sie es tat. „Wohin gehts und wer bist du überhaupt?“ Sie wirkte verwirrt. „Oh, vergessen. Wir gehen ins Hauptquartier.“ Sharon blinzelte. „Das HQ der Allianz?“ Sie nickte sofort heftig. „Jajaja, die Chefin wird sich freuen, das ihr wach seit. Oh, ich bin Jenna.“ Sie schüttelte der immer verwirrter dreinschauenden Millenia die Hand. „Und jetzt aber schnell, bevor uns jemand sieht.“

Sie folgten Jenna geduckt und in vorsichtigem Tempo fast eine ganze Stunde lang durch das völlig zerstörte New York. Millenia und Sharon waren schockiert. Es stand kaum noch ein Stein auf dem Anderen. Die Straßen waren aufgerissen, der Wind trug Asche von den Dächern und ganze Gebäude waren in die Straßenschluchten gestürzt. Es war absolut menschenleer. Das kleine Kind war vergangen und winkte sie um Straßenecken und an Autowracks vorbei. Millenia fiel auf, das sie ihrem alten Arbeitsweg folgten. Schließlich winkte sie Jenna tatsächlich ins Metropolitan Museum of Art. Sie schlich durch die Lobby bis zu einem der Gänge, die das Reinigungspersonal nutzte. Hier verschloss sie die Tür hinter ihnen so fest sie konnte und eilte dann den dunklen Gang hinunter. „Hier ist das Hauptquartier?“ fragte Millenia und Jenna wirbelte sofort zu ihr herum. „Psssht! Ja, aber wir müssen leise sein, damit sie den Eingang nicht finden.“ Sie schlichen weiter. „Wer sind denn ‚sie‘?“ fragte Sharon. „Die Dämonen.“ antwortete Jenna leise und öffnete einen alten Schrank für Reinigungsmittel. „Schnell rein.“ sagte sie. Perplex trat Millenia in den großen Schrank. Sharon sah noch weniger begeistert auf. Jenna schloß die Tür und es wurde stockdunkel. Dann flackerte ein sanftes Licht auf und Jenna leuchtete mit einer kleinen Lichtkugel über den Boden. Millenia musste sofort an Kratos denken. „Jenna?“
„Hier.“ Das Mädchen griff in den Boden und klappte eine Platte aus Aluminium hoch. Darunter kam eine Falltür zum Vorschein. Jenna setzte die Lichtkugel auf ihre Schulter und zerrte heftig an der Tür. Sie schwang überraschend leise auf. Sanftes Licht schimmerte heraus. „Schnell rein.“ Millenia sah zu Sharon und beschloß, zuerst zu gehen. Vorsichtig setzte sie ihre Füße auf eine Leiter aus Metall und stieg 20 Sprossen hinunter bis in einen warmen, hell erleuchteten Flur. Die Wände waren weiß getüncht und der Boden gefliest. Sie trat von der Leiter zurück und sah sich um. Die Decke war hellblau und es waren sogar Wolken aufgemalt. „Wow…“ Sharon tauchte hinter ihr auf. „Was ist das hier?“ Ein leises Klong verriet ihnen, das das Kind die Tür geschlossen hatte. Eilig kletterte sie die Leiter hinunter und sprang dann auf den Boden. „Schön, nicht? Kommt mit, wir gehen zur Chefin.“ Sie eilte den Flur hinunter und die beiden jungen Frauen folgten ihr. An den Wänden tauchten Türen aus Holz auf und hinter der nächsten Biegung lag sogar ein Teppich. Der Flur endete in einer Doppeltür aus dunklem Holz. Jenna stieß sie auf, ohne auch nur ans Klopfen zu denken. „Chefin, Chefin, Chefin!“ In dem Raum standen ein paar Bücherregale, die das Kind eilig umkurvte, bis sie mit den beiden Frauen vor einem runden Tisch ankam, um den einige Leute versammelt saßen, die erschrocken aufsahen. „Chefin, es hat funktioniert!“ Eine Frau, deren schwarzes Haar zu einem unordentlichen Dutt gefasst war, drehte sich zu ihr um. „Jenna, was ist denn…? Oh mein Gott.“ Ihre grünen Augen weiteten sich. Es war Reika.
Aber etwas stimmte nicht. Sie hatte eine ganz feine Narbe auf dem linken Wangenknochen und sie wirkte deutlich älter. Anders als sonst trug sie keinerlei Make-Up und keinen Schmuck. Am Tisch entdeckte Millenia noch Damian, der sich gerade aufrichtete, Caim, der völlig perplex aussah, und Dae, die am anderen Ende saß und ebenfalls weiß im Gesicht war. Auch hier waren einige Dinge nicht ganz richtig. Damians Haar war länger, Claim trug eine Brille und Daes Haar war kürzer. Reika kam auf sie zu. „Ich habs gesagt. Ich habs gesagt und keiner wollte mir glauben!“ protestierte das Kind immer noch. Reika beachtete sie gar nicht. Sie umarmte erst Leni und dann Sharon. „Ihr seit wieder da… Ich kann es gar nicht glauben.“ Sharon sah verwirrt zu den Leuten am Tisch. „Was ist los, was ist passiert?“ Jenna legte den Kopf schief. „Nicht weinen, Reika, ja?“ Leni sah sie an. „Reika, warum sagt dieses Kind Chefin zu dir? Ich dachte, Chitose leitet die Zelle?“
„Setzt euch besser.“ sagte Damian in düsterem Tonfall. Sofort überlief es Sharon eiskalt. Reika trat zurück an den Tisch und wischte sich die Augen. „Besser ist es.“ sagte sie dumpf. „Setzt euch und erzählt mir, was passiert ist.“ Leni sah sie verwirrt an und trat mit Sharon an den Tisch. Sharon setzte sich, aber Leni blieb erstmal stehen. „Was meinst du ‚Erzählt mir, was passiert ist‘? Was ist hier los?“
„Wann seit ihr aufgewacht?“ fragte Caim interessiert. „Ähm, vermutlich so vor… knapp zwei Stunden.“ schätze Sharon. Damian rieb sich die Stirn und plumpste schwer auf seinen Stuhl zurück. „Was ist los?“ fragte Leni wieder, diesmal ungeduldiger. „Was ist mit Chitoses Haus passiert und wo ist derjenige, der uns aufgetaut hat? Und der Rest?“
„Niemand hat euch absichtlich aufgetaut, Millenia.“ sagte Dae fest. Sie schien am schnellsten ihre Fassung zurückgewonnen zu haben. „Warum nicht?“ fragte Sharon empört. „Weil wir nicht konnten.“ sagte Reika. „Wir hatten keine Gelegenheit.“
„Gelegenheit?“ hakte Millenia nach. „Das ist schwer zu erklären, aber…“ Reika zögerte und sah zu den Anderen. „Fangen wir besser vorne an.“ sagte Damian. „Millenia. Sharon. Wir wollten euch auftauen, wenn wir die Schlacht um das Hauptquartier gewonnen haben und euch zum Arzt bringen, aber das hat so nicht geklappt…“
„Wieso?“ unterbrach ihn Sharon. „Weil wir die Schlacht um das Hauptquartier verloren haben.“ sagte Dae leicht gereizt. Millenia spürte, wie ihr kalt wurde. „Was?“ Auch Sharon sah entsetzt von einem zum Anderen. „Lange Rede, kurzer Sinn: Ihr habt fast 12 Jahre geschlafen.“

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Chapter 2: Counsel

Beitrag  Cho Izanami am Mi Sep 02, 2015 3:37 pm

Millenia fühlte sich, als rutsche ihr ein halbes Kilogramm Eiswürfel in den Magen. „W… was?“ fragte Sharon ungläubig. „Ihr wollt uns doch verarschen…“ Dae grinste. „So lustig das auch wäre, nein, wollen wir nicht.“ Millenia fiel schwer in den Stuhl hinter ihr. „12 Jahre… was ist passiert?“ Die Vier am Tisch tauschten Blicke. „Das wird dir nicht gefallen.“ sagte Dae. „Die Welt ist untergegangen.“ meldete sich Jenna von der Seite. Reika stand auf und ging zu ihr. „Jenna, da hier ist ein Erwachsenen-Gespräch, okay?“ Sie zog einen Flunsch. „Ach menno, dabei habe ich die Zwei doch gefunden.“
„Und das hast du sehr gut gemacht.“ sagte Reika mit einem Lächeln. „Aber wir müssen uns hier jetzt ernsthaft unterhalten, ja? Geh dir was zu essen besorgen, ja?“ Jenna gab auf. „Okey.“ sagte sie. „Aber darf ich dann beim Rumführen dabei sein? Bitte bitte.“ Reika lächelte. „Meinetwegen. Aber jetzt abmarsch.“ Jenna verschwand durch die Tür hinaus. Sharon sah ihr nach. „Wer ist die Kleine?“ Millenia sah auf. Ja, das interessierte sie auch. „Ihre Haare sehen aus wie die von Kratos. Und diese Lichtkugel…“
„Keine Panik.“ grinste Dae. „Ihr Name ist Jenna Lyon. Sie ist Tias Tochter.“ Sharon schreckte regelrecht auf. „Was, Tia?“
„Und sie ist nicht mit Kratos verwand. Naja, außer über Tia und das ganze Engelsgedöns.“ ergänzte Dae. „Und wo ist Tia?“ fragte Millenia. Wieder tauschten die Vier Blicke. Caim seufzte. „Sie ist tot.“

Diesmal blieb den beiden Mädchen die Luft weg. Sharon kamen sofort die Tränen und Millenia merkte erst, das sie gar keine Luft mehr holte, als sie zu zittern anfing. „Was?“ krächzte sie. „Es tut mir Leid.“ sagte Reika leise. „Sie ist vor vier Jahren gefallen.“ Sharon hatte die Finger um ihre Knie gekrallt und biss sich auf die Unterlippe. „Aber sie ist doch ein Engel. Wie konnte das denn passieren?“ Dae seufzte. „Engel sind nicht unsterblich.“ Es gab ein seltsames Geräusch und Dae kam um den Tisch herum, ohne aufzustehen, um Sharon die Hand auf den Arm zu legen. Vermutlich wollte sie sie trösten, aber das ging gewaltig nach hinten los, denn als sie neben Sharon auftauchte, konnten sowohl sie als auch Millenia sehen, weshalb Dae nicht aufgestanden war: Sie saß in einem Rollstuhl. Sharon gab einen Überraschungslaut von sich. „Was zur Hölle…?“ Dae sah auf die Decke in ihrem Schoß. „Sorry, vergessen.“
„Es ist sehr viel passiert.“ sagte Damian, aber es klang etwas hilflos. Millenia starrte auf die Reifen des Rollstuhls. „Was…?“ Aber Sharon unterbrach sie, denn sie sprang auf wie von der Tarantel gestochen. „Deine Füße!“ Millenia schwenkte den Blick zu den Fußplatten des Rollstuhls. Sie waren leer. Sie starrte darauf. „Wo sind deine Füße, Dae?“ Die kleine Drakulina seufzte und hob die Decke an. Ihre Beine endeten an den Knien. „Ich könnte jetzt sagen, die hab ich beim Aufstehen im Bett gelassen, aber leider stimmt das nicht.“ Sie ließ die Decke wieder fallen und versteckte so ihre Behinderung. Sharon war käsebleich geworden. Dae nahm sie an den Armen und bugsierte sie wieder auf ihren Stuhl. „W-w-w-was…?“ stotterte die Chevailier. „Ruhig.“ sagte Dae. „Ich bin unter einen brennenden Dachbalken geraten. Ich kann froh sein, das es nur meine Beine erwischt hat.“ Sie streichelte sanft mit den Daumen über Sharons Arme, um sie zu beruhigen. „Aber das ist ok. Es ist alles in Ordnung. Ich habe mich dran gewöhnt.“ Sharon nickte zwar, aber ihr Kopf kam mit dem Begreifen noch gar nicht hinterher. Es waren 12 Jahre vergangen? Und sie war keinen Tag gealtert? Wenn sie sich Reika ansah, verstand sie es langsam. Sie sah deutlich älter aus, aber sie war auch ein Mensch. Die Anderen hatten sich kaum verändert. Ewiges Leben verstand sie plötzlich völlig neu. Aber ewig zu leben bedeutete nicht unsterblich zu sein. „Sind noch mehr Leute… gestorben?“ fragte Sharon, obwohl sie Angst vor der Antwort hatte. Als die Vier wieder diese Blicke tauschten, bekam sie sogar noch mehr Angst. „Ja.“ sagte Dae betont ruhig. „Sharon. Um ehrlich zu sein… ist die Allianz fast komplett ausgelöscht.“ Sharon atmete tief ein. „Oh Gott…“ Auch Millenia starrte einfach nur auf ihre Schuhspitzen. „Was ist mit Kratos? Und Cole?“ Dae atmete tief durch und Millenia bekam nur noch mehr Angst. „Cole ist im Moment auf Staten Island bei Hel.“ sagte Reika. Sharon hob den Kopf. „Bei Hel?“
„Er hilft ihr ab und zu ein bisschen, weißt du? Ist ein guter Onkel.“ nickte Dae. „Hel ist seit knapp zwei Jahren alleine und Cole hilft ihr und den Kindern, wenn sie Lebensmittel brauchen oder andere Besorgungen machen müssen.“ fügte Damian hinzu. „Ist Abraxas…?“ fragte Sharon ängstlich. Dae schüttelte den Kopf. „Nein, zumindest glauben wir das nicht.“
„Er ist vor zwei Jahren bei einem Einsatz verschwunden, wir haben den Funkkontakt zu ihm verloren. Unregelmässig bekommen wir noch Nachrichten von ihm, aber ohne Ortsangabe. Offiziell ist er ‚Im Einsatz vermisst‘.“ erklärte Reika ruhig. „Er ist am Leben, aber irgendwas hindert ihn daran, zurückzukommen. Vermutlich die Dämonen, sie kontrollieren sämtliche Kommunikation und er will Hel und seine Kinder beschützen.“
„Mehrere Kinder?“ wunderte sich Sharon. „Zwei. Ein Sohn, er ist jetzt 13, und ihre Tochter. Sie wird 5 nächsten Monat.“ erzählte Caim und er lächelte dabei. „Süße kleine Maus.“ Sharon sah zu Millenia. „Und Kratos?“ Reika rieb sich die Stirn. „MIA. Nach dem, was wir gehört haben, haben die Dämonen ihre Finger drin, aber wir suchen ihn noch.“ Millenia wurde wieder eiskalt. „Seit wann?“
„Seit knapp anderthalb Wochen.“ sagte Dae. „Er ist ziemlich hart im Nehmen, deswegen glaube ich nicht, das er ernsthaft in Schwierigkeiten steckt.“ Millenia fuhr sich durch die Haare. „Ich sage dir sofort Bescheid, wenn unsere Späher was hören, ok? Dann holen wir ihn sofort zurück.“ versprach Reika. Millenia nickte. „Ja…“ Dae nickte. „Sollten wir auch, wir brauchen einen Engel.“ murrte sie. Caim unterdrückte ein Kichern. Damian schüttelte den Kopf mit etwas, das wie ein Lächeln aussah, dann stand er auf. „Wenn ihr grade erst aufgetaut seit, werdet ihr in bald Hunger bekommen.“
„Warte!“ bat Sharon laut. „Wer ist noch hier? Ihr seit doch nicht die Einzigen, oder?“ Ihr Blick wehte zwischen den Vier hin und her. „Nein, keine Panik.“ sagte Reika beschwichtigend. „Wir haben noch ein paar Jäger. Im Moment sind viele unterwegs, auf Einsatz oder Essen besorgen, und wir haben, wie gesagt, noch das kleine Versteck auf Staten Island, wo Hel und Valeria sind.“
„Valeria?“ fragte Millenia. Sie hat… sagen wir, sie verträgt deutlich weniger Stress als früher.“ Millenia und Sharon sahen sich verwirrt um. „All die, die gestorben sind… das ist hart für sie. Ich habe sie gebeten, ein wenig bei Hel zu sein, um sich zu erholen. Und ihr die Zeit zu geben, zu trauern.“ Sharon nickte. „Das verstehe ich.“
„Aber Ruko sollte eigentlich in der Kantine sein.“ fiel Dae ein. „Er meinte ja, das er nach dem Aufstehen erstmal anständig essen will.“
„Er war auf Erkundungstour. Etwas länger, als es geplant war.“ erklärte Caim. Damian stand auf. „Apropos Kantine. Ich bringe euch hin, dann könnt ihr auch mal was Essen. Ihr habt ja seit 12 Jahren nichts in den Bauch gekriegt. Kommt mit.“ Millenia sah zu Reika. „Gute Idee. Danach können wir uns ja weiter unterhalten.“ Millenia nickte zögernd und stand dann auf. Sharon folgte ihr und Damian aus der Bibliothek.

Damian führte sie durch ein paar Flure zu einer Tür, hinter der die Kantine lag. Als sie den Geruch von Tomaten einfing, begann Millenias Bauch zu knurren. Sogar Sharon zog ein Gesicht. „Oje. Ich merk erst jetzt, was ich für einen Hunger habe.“ Leni lachte. „Geht mir auch so.“ Damian hielt ihnen die Tür auf. „Immer rein.“ Es sah eher aus wie in einem Speisesaal einer Jugendherberge, lange Holztische, Bänke, eine Durchreiche. „Agatha?“ rief Damian und eine rundliche schwarze Frau tauchte an der Durchreiche auf. „Ja, Schätzchen?“
„Zwei mal Eintopf und zwei Blutkonserven bitte.“ sagte er. Die Frau strahlte. „Aber gerne.“ Dann verschwand sie wieder. Als Damian gerufen hatte, hatte Ruko am anderen Ende des Tisches aufgesehen und dann seinen Löffel fallen gelassen. Damian ging mit den Mädchen zu ihm. Millenia lächelte ihm unsicher zu. „Hi.“ Der Riese stand auf, um beide Mädchen fest zu umarmen. „Ihr seit wieder da… Wir hatten schon befürchtet, wir schaffen es nie, euch zurückzuholen.“ Er ließ sie los und betrachtete sie von oben bis unten. „Ihr habt euch kein bisschen verändert. Setzt euch.“ Das ließen sie sich nicht zweimal sagen. Damian setzte sich dazu. Agatha brachte drei Teller und drei Löffel, zweimal Eintopf und einmal Blut. Sharon sah ihren mit großen Augen an. „Wow, ähm… danke.“
„Gerne, Süße. Nur, weil man Flüssignahrung bevorzugt, sollte man doch nicht auf den gesitteten Tisch verzichten müssen, denkst du nicht?“ lächelte die Frau, dann verschwand sie wieder in der Küche. Damian aß einen Löffel Eintopf und atmete durch, bevor er Ruko fragte: „Und? Wie sieht es aus in Brooklyn?“ Ruko zuckte die Schultern. „Nicht besser als letzten Monat. Mehr Nightwalker. Ich habe den Wall Mart an der Ecke komplett ausgeräumt, aber ich mache mir Gedanken um das Wasser.“ Damian nickte. „Ich auch. Wir können Gemüse pflanzen und Medizin mischen, aber wenn uns das Trinkwasser ausgeht, haben wir echt ein Problem.“
„Es muss in Downtown Manhattan noch einen Wasserspeicher auf einem Hotel geben, den sollten wir uns besorgen.“ sagte Ruko zwischen zwei Löffeln. „Ähm, dumme Frage, aber… was ist ein Nightwalker?“ fragte Millenia vorsichtig. „Ein Zombie.“ antwortete Ruko. „Aber wir fanden den Begriff zu abgedroschen.“ Sharon bekam eine richtige Gänsehaut. „Au Backe… ich hasse diese Dinger.“ Damian nickte. „Nicht nur du.“ Millenia fühlte sich irgendwie unwohl dabei. „Wer ist denn sonst noch so hier?“ fragte sie deswegen schnell. „Ach ja, wir waren ja noch gar nicht fertig damit.“ nickte Damian. Ruko lächelte. „Also Cail sollte heute Abend wiederkommen, sie ist oben in Queens bei dieser Apotheke. Und Radion ist vermutlich schon auf dem Rückweg. Er ist nach New Haven gefahren, eine kleine Zelle Dämonen ausräuchern. Er hat was von Benzin gesagt. Ich hoffe, er meinte damit, das er welches gefunden hat.“ Sharon sah sich um. „Das wars?“ fragte sie leicht entsetzt. „Nein, aber viele anderen kennt ihr ja gar nicht. Shane sollte unten im Gewächshaus sein und Mariella schläft, glaube ich, noch.“ sagte Damian. Sharon atmete auf. „Gut.“ Die Tür ging auf und Jenna kam herein. „Agatha?“ fragte sie in zuckersüßem Ton. Mit einem breiten Strahlen tauchte die Frau in der Durchreiche auf. „Halo, Jenna, meine Kleine? Was kann ich für dich tun?“ Jenna hielt ihr ein Stück Stoff unter die Nase. „Guck mal, ich habe dein Geschirrhandtuch repariert. Toll, nich?“ Agatha nahm es entgegen. „Wow, wie toll. Sehr gut. Dafür hast du dir ein Stück Schokolade verdient.“ Sie verschwand und Jenna nibbelte auf und ab. „Juhu.“ Damian grinste. „Gib ihr nicht zu viel davon, Agatha. Ich weiß nicht, wann wir das nächste Mal an welche kommen.“ Ein lautes Lachen erschallte aus der Küche. „Ach, das wird schon werden, Damian. So viel davon isst sie ja gar nicht.“
„Würde sie aber, wenn sie könnte.“ sagte Damian und Jenna lächelte ertappt. Ruko lachte leise. „Wer ist ihr Vater?“ fragte Sharon interessiert. „Ein Elementarmagier namens Rhos. Ein wirklich netter Kerl. Leider haben wir ihn schon vor Tia verloren.“ Millenia sah zu dem Kind. „Armes Mädchen… Ach, was ist denn mit ihrer Tante?“ Auch Sharon zuckte hoch. „Ja, wo ist denn Cho?“ Millenia spürte einen Stich schlechtes Gewissen. In ihrer Sorge um Kratos und dem Schock über das, was passiert war, hatte sie ihre Mitbewohnerin ganz vergessen. „Weiß sie schon, das wir wieder da sind? Wieso hat sie uns aufgetaut? Was ist mit Shen?“ Damian schluckte eilig den Löffel Eintopf, den er im Mund hatte. „Kein gutes Thema zum Essen.“ sagte Ruko. „Shen ist… wir vermissen ihn seit 8 Jahren. Und Cho… ach, wir können ihr leider nicht Bescheid sagen. Sie ist einer unserer Späher und im Moment wäre es zu gefährlich, sie anzufunken. Die Leitungen sind alle unsicher.“ Sharon atmete tief ein. „Späher?“ Ruko nickte. „So tollpatschig sie auch ist, sie hat es drauf, nicht aufzufallen. Sie späht für uns die Befehlshierachie der Dämonen in einzelnen Niederlassungen aus. Wir müssen warten, bis sie einen sicheren Kanal öffnen kann.“ Millenia sah zu Jenna. „Geht es Cho gut? Ist sie mit Amy unterwegs?“ Ruko legte den Löffel ab. „Nein, ist sie nicht. Sie versucht, Amy zurückzuholen.“ Die beiden Mädchen sahen ihn an. Ruko rieb sich die Stirn. „Nach seiner Ankunft hier hat Lucifer gezielt Angriffe gegen unsere Seher geführt. Wir haben in kürzester Zeit fast alle Seher verloren. Dann hat systematisch die für ihn größten Bedrohungen ausradiert. Er hat Victoria eingefroren, weil er sie trotz alle Bemühungen nicht töten konnte. Und Amy… Sie ebenfalls.“ Millenia biss sich auf die Lippe. „Deswegen hat er euch so dezimiert… Ist Chitose auch…?“ Damian nickte langsam. „Seal.“ Wieder fuhr sich Millenia mit der Hand durch die Haare. „Oh mann…“ Ruko starrte einen Moment auf seinen Teller. „Zimmer.“ fiel ihm dann ein. „Ach ja, ihr braucht ein Zimmer.“ stimmte Damian zu. „Aber ich glaube, im Moment haben wir nur noch eins, ist das ok?“ Beide Mädchen nickten schwerfällig. Damian stand auf. „Dann kommt mit.“

Damian öffnete die Tür zu dem großen Zimmer. Es war hübsch. Darin standen zwei Betten, zwei Schränke, ein großer bunter Teppich, ein Schreibtisch. Die Lampe strahlte ein warmes Licht aus. Die beiden Mädchen sahen sich um. „Nett. Dafür, das es so weit unter der Erde ist.“ Damian nickte. „Finde ich auch. Ich will morgen nach Staten Island fahren, um nach Valeria zu sehen und wollte dann mit Cole zurückkommen. Möchtet ihr mitfahren?“ Sharon nickte. „Ja, gerne.“ Er lächelte. „Gut. ich denke, ich lasse euch mal ein wenig Zeit zum Nachdenken.“ Er ging hinaus. Leni fiel auf das Bett. „Ich glaube, die werden wir auch brauchen…“

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Chapter 3: Subway Express

Beitrag  Cho Izanami am So Sep 06, 2015 10:57 pm

Sharon sah zum Himmel auf. Er war offenbar immer grau. Im hinteren Teil des Metropolitan Museum of Art packten sie ein paar Dosen und etwas Wasser in einen schwarzen Dodge Journey. Millenia brachte noch einen 10 Liter Tank mit Wasser. „Ich habe hier gearbeitet und das hier nie gesehen.“ Damian lud ein. „Das ist auch alles neu. Genesis hat es uns nach der Apokalypse als neues Hauptquartier herrichten lassen.“ Leni sah sich um. „Wo ist Genesis eigentlich?“ Damian rückte den Wassertank einmal zu viel zurecht. „Gefallen.“ sagte er leise. lenk ertappte sich dabei, ihn anzustarren. „Was? Wann?“ Damian strich sich die Haare aus der Stirn, die sofort abstanden. „Schon vor 5 Jahren. Bei einer Explosion.“ Leni senkte den Kopf. „Und was ist mit Cathy?“ Damian sah sie an. „Sie war auch in dem Haus.“ Diesmal kamen ihr sogar die Tränen. Sie dachte an ihren ersten Tag hier, als Cathy ihr mit Geduld und ihrem niedlichen Lächeln alles gezeigt hatte. „Ich steige schonmal ein…“ sagte sie. Damian nickte stumm und sie ließ sich auf den Rücksitz fallen. Damian ging noch einmal hinein und gab Millenia so einen Moment Zeit, um an all die zu denken, die gestorben waren. An Tia und Chitose, an Genesis und Cathy. An Shen und Abraxas. die vermisst wurden. Und an Dae, die nicht mehr kämpfen konnte. Das alles war schon ein bisschen viel für die zwei Tage, die sie jetzt hier waren.
Damian öffnete die Fahrertür und reichte ein paar Decken nach hinten. Verwirrt nahm Millenia sie entgegen. „Wir müssen durch die Tunnel, da ist es kalt.“ Sie nickte und legte die Decken neben sich. Sharon setzte sich auf den Beifahrersitz. „Durch welche Tunnel?“ fragte sie misstrauisch. Damian ließ den Motor an. „Die U-Bahn-Tunnel.“

Sie erreichten die Tunnel nach ein paar kurzen Minuten. Damian hielt an. „Millenia, gibst du mir die Signalfackeln, die neben dir liegen?“ Millenia reichte ihm einige nach vorne. „Wofür braucht du die? Du verfährst dich doch wohl nicht.“ fragte Sharon ängstlich nach. „Nein. Aber wir können nicht durch die Straßen fahren, weil man uns sehen würde. Und die Tunnel sind bewohnt.“
„Bewohnt?“ quiekte Sharon. „Was wohnt denn in den Tunnel?“ Damian schaltete die Lampen aus und schloß die Fenster. „Die Nightwalker halten sich tagsüber gerne dort auf.“ Sharon wurde leichenblass. Auch Millenia bemerkte, wie ihr kalt wurde. „Oh nein, Damian…“ Vorsichtig rollten sie über die Gleise unter die Erde. Es wurde stockdunkel. Millenia schlug das Herz bis zum Hals. Sie hörte Sharon vorne leise fluchen. Damian fuhr im zweiten Gang, um den Motor möglichst leise zu halten. Sie fuhren ein bis zwei Minuten nur gradeaus, dann hielten sie an. Damian ließ das Fenster ein wenig herunter, entzündete eine Signalfackel und warf sie eilig, so weit er konnte zur Seite. Millenia beobachtete den roten glühenden Schein, den sie hinter sich herzog. Sie kam kurz vor der Wand einer Station auf dem Boden auf und wurde sofort heller. Und dann konnte Millenia sie nicht nur sehen, sondern auch hören. Sie schlurften heran, das Licht der Fackeln zog sie an. Unbewusst zog sie sich doch eine Decke um die Schultern. Sie waren die Bewohner dieser Stadt gewesen und sie waren alle tot. Und doch starben sie nicht. Einige sahen aus, als wäre die Apokalypse erst gestern geschehen, andere waren in so schlechtem Zustand, das sie kaum noch laufen konnten. Eine Frau hatte gar keine Beine mehr. Sie zog sich auf den Armen in Richtung des Lichtes und röchelte dabei wie eine Erstickende. Sharon wand sich ab. „Können wir bitte fahren?“ flüsterte sie. Damian hatte das Fenster geschlossen und so leise es ging rollten sie an der Station vorbei. Millenia starrte noch immer entgeistert auf das Licht und Zombies, die es umringten. „Es sind so viele…“ flüsterte sie. „Und sie sind alle…“ Sie fuhren in den nächsten Tunnel und das kleine rote Licht verschwand aus ihrer Sicht. Nur die Schatten der Untoten zuckten noch über die Wände. Ohne Licht und so leise wie möglich rollten sie durch den stockdunklen Tunnel.
Sharon starrte angestrengt auf ihre Hände, die sie auf ihre Knie gelegt hatte. Millenia dagegen konnte nicht anders, als in die suppendicke Finsternis zu starren. „Sind da noch mehr?“ fragte sie leise. „Wie viele Einwohner hatte New York?“ fragte er zurück. „Etwa 8 Millionen.“ flüsterte Millenia. Damian nickte. „Das sind fast alles Menschen gewesen. Heute leben in New York noch geschätzt 4000 Menschen. Du kannst dir also vorstellen, wie viele es sind.“ Millenia wurde kalt. Das waren eine Menge Nightwalker. Damian hielt wieder, ließ das Fenster herunter, warf eine Fackel. Wieder hörte sie, wie diese Wesen aus dem Dunkeln kamen, würgend und röchelnd. Der Gestank war fürchterlich. Millenia sah aus dem Fenster und schreckte zurück. Direkt am Fenster ging einer vorbei. Sein Arm war gebrochen und verdreht und er zog einen Fuß nach. Seine Augen waren milchig weiß und starrten gebannt auf das Licht. Er war voller Blut und das Fleisch an seinem Unterkiefer war fast komplett abgefault. Seine Zähne klapperten aufeinander. Millenia starrte ihn an und ihr wurde dabei schlecht. Damian ließ den Wagen vorsichtig weiter rollen und einen Moment lang wand sich der Zombie um und sah Millenia direkt an. Ihr blieb beinahe das Herz stehen. Dann war da nur noch die Dunkelheit. Und plötzlich machte sie ihr Angst. Denn jetzt wusste sie, was sich darin verbarg.

Sie erreichten Tageslicht kurz vor der Verrazano-Narros-Bridge. Beide Mädchen atmeten auf. Da unten kam man sich beinahe vor wie in der Unterwelt. „Und wie schleichen wir uns jetzt über die Brücke?“ fragte Sharon besorgt, als Damian auf das untere Stockwerk der Konstruktion fuhr. Damian sah sie an. „Anschnallen.“ Das ließen sich beide nicht zweimal sagen. Damian rollte den Wagen exakt in Position, dann gab er Gas. Er schaltete so schnell es ging in den 5. Gang und der Dodge zeigte, wie viel von seiner Leistung er auf die Straße brachte. „Warum rast du so?“ fragte Sharon entsetzt. „Damit wir nicht entdeckt werden. Sogar tagsüber sind diese verflixten Harpyien unterwegs.“ Millenia starrte nur angestrengt gradeaus. Wenn ihnen jetzt etwas in den Weg geriet, waren sie fällig.
Aber nichts passierte. Sie erreichten Staten Island ohne Zwischenfälle. Ab jetzt fuhr Damian wieder langsam und so weit er konnte über das U-Bahn-Netz. „Wohin müssen wir?“ fragte Millenia. „Wir haben ein Haus im Blue Heron Park Preserve gefunden, das relativ versteckt liegt. Da fahren wir jetzt hin.“ Millenia dachte nach. „Das ist ja fast in der Mitte der Insel.“ Damian nickte. „Ja, im Moment kann man es sich echt nicht aussuchen.“ Sharon sah sich um. „Du wirfst viel weniger mit Signalfackeln.“ stellte sie fest. „Es gibt hier nicht viele Nightwalker. Staten Island kann man gut Richtung New Jersey verlassen und das haben viele Menschen gemacht, bevor die Welt ganz unterging. Die Brücke ist heute nicht mehr passierbar. Zu viele Autos.“ Sharon schluckte. Die Vorstellung von all diesen Menschen, die auf der Flucht im Stau stecken blieben, war irgendwie grausam. Millenia wickelte sich wieder fester in ihre Decke. Die Dunkelheit schlug ihr langsam auf das Gemüt. „Ist es eigentlich auch mal sonnig?“ fragte sie. Damian seufzte. „Nein. Es regnet ab und zu mal Wasser oder Asche, aber die Sonne… ich weiß schon gar nicht mehr, wie die aussieht.“ Millenia seufzte schwer. Das gefiel ihr nicht. Sie mochte die Sonne. Die ganze Zeit trieben schwarze Wolken am Himmel, der generell eher rot durchschimmerte. Wie ein unendlicher Sonnenuntergang.
Damian erreichte einen Ausgang und sie fuhren jetzt wachsam und vorsichtig in den Park hinein. Unter einem Baum bewegte sich etwas. Verwundert sah Millenia genauer hin. Es waren Nightwalker. Sie waren langsam und ziemlich übel zugerichtet. Einer hatte keine Arme mehr, einer hatte einen total eingedrückten Brustkorb, einer schlief die Fetzen seiner Beine hinter sich her, der letzte hatte den Lenker eines Fahrrads im Bauch und zog das Gefährt hinter sich her. Sofort bekam Millenia eine schreckliche Gänsehaut. Eilig sah sie wieder geradeaus. Die Toten, die in der Stadt wandelten, wurden ihr immer unangenehmer. Sie fuhren noch ein bisschen zwischen den Bäumen umher und dann tauchte ein Haus auf. Es war wohl mal etwas wie eine Wanderhütte gewesen oder vielleicht ein Wegpunkt oder eine Herberge. Es stand unter einer Baumgruppe, war weiß und zweistöckig. Es war hübsch. Eine kleine Auffahrt führte zur Eingangstür. Damian parkte zwischen den Bäumen und machte den Motor aus. „Da wären wir.“ Er öffnete den Kofferraum. Millenia schälte sich aus ihrer Decke und lud schonmal den Wassertank aus. Damian klopfte. „Hel? Ich sage dir Erlösung voraus.“ sagte er. Die Tür ging auf. „Hallo Damian.“ sagte Held mit einem sanften Lächeln. „Ich habe Wasser und Lebensmittel.“ sagte er. „Bring rein.“ sagte sie und trat zurück. Damian hievte einen Karton mit Dosen in den Eingangsbereich. Cole nahm ihm das Gewicht ab. „Danke.“ Er brachte es in die Küche, während Millenia und Sharon das Wasser hineintrugen. „Seit ihr gut durchgekommen? In den letzten Stunden war hier viel…“ Er kam zurück, hielt inne. Seine Augen wurde groß. „Sharon…“

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Character File 1

Beitrag  Cho Izanami am Di Sep 15, 2015 10:57 pm

Name: Millenia Fearless
Alter: 21
Größe: 1,72m
Wesen: Drache
Beschäftigung: Angestellte
Status: Aktiv
Partner: Kratos Aurion
Familie: Angelika Fearless (Großmutter), Angelus Fearless (Mutter)

Nach 12 Jahren Schlaf ist Millenia wiedererwacht. Die traurige Zukunft, in der sie sich befindet, verwirrt und schockiert sie. Obwohl sich Millenia stets stark gibt, ist sie eine sehr zarte Person, die zur Unsicherheit und Naivität neigt. Sie ist willensstark und selbstständig, und begegnet Anderen offen und aufgeschloßen. Auch wenn sie das trostlose Land schockiert, so fürchtet sie sich doch nicht davor, mit den Verantwortlichen in offene Konfrontation zu treten.
In der Vergangenheit arbeitete sie im Metropolitan Museum of Art als Servicemitarbeiterin und lebte nach Sharons Auszug in einer Wohnung mit Kratos und Cho. Mit Sharon auf einer Wellenlänge verstanden sich die Beiden schon damals sehr gut. Gemeinsam wollen sie die Wende im Krieg erzwingen, um die Reste der Menschheit zu retten.


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Chapter 4: Staten Island

Beitrag  Cho Izanami am Mi Sep 16, 2015 12:20 am

Cole starrte Sharon einfach nur an, die Augen weit aufgerissen. Auch Hel sah aus, als habe sie einen Geist gesehen. "Hey Cole." sagte Sharon in einem seltsam steifen Versuch, die unangenehme Stille zu durchbrechen. "Ähm... lange nicht gesehen." Er kam einen Schritt zu ihr und streckte die Hand nach ihr aus. Sharon umschloß seine Finger mit ihren. "Du bist wirklich hier..." sagte er langsam. Sharon nickte. "Ja." Plötzlich zog er seine Hand zurück und sie damit zu sich, dann schlang er die Arme um sie und drückte sie an sich. "Cole?" fragte Sharon verwirrt. So hatte sie ihn ja noch nie erlebt. Sie spürte, wie er tief einatmete. "Oh Gott, ich habe gedacht, ich sehe dich nie wieder." sagte er und seine Stimme zitterte dabei. "Ich habe dich so vermisst." Sharon hob vorsichtig die Hände und strich ihm beruhigend über den Rücken. Plötzlich umfing sie nicht nur diese Wärme, sondern auch sein Geruch. "Jetzt bin ich wieder da." sagte sie und er nickte. "Ja..." sagte er leise. Sharon registrierte am Rande, das Millenia und Damian den Rest der Lebensmittel aus dem Auto holten. "Vielleicht solltest du dich setzten." sagte Sharon nervös. Cole nickte, dann ließ er sie langsam los und gemeinsam gingen sie hinüber zu dem großen Sofa. Das Haus war fast komplett aus Holz und im Wohnzimmer gab es eine Holztreppe in den ersten Stock. Hel setzte sich vollkommen baff dazu. "Ihr seit erwacht. Wie das?" Sharon erzählte ihr schnell davon, wie sie erwacht waren und das sie im Moment im Hauptquartier lebten. Damian schloß die Tür hinter Leni und sie setzten sich dazu. "Sehr seltsam." nickte Hel. "Wer auch immer euch aufgetaut hat, er wusste wohl, was er tat."
"Wir versuchen noch rauszufinden, wer es war oder was den Zauber annulliert hat." sagte Damian zu ihr. Cole hatte Sharons Hand die ganze Zeit nicht losgelassen. Auf der Treppe kamen Schritte herunter und ein Junge tauchte auf. Sein Haar war schwarz und zottelig und er hatte Abraxas' blaue Augen. Er trug Jeans und ein rotes Shirt. "Mum? Kann ich was essen?" fragte er. Hel lächelte und stand auf. "Klar, wir haben grade was gekriegt. Komm mit, Kjartan, was möchtest du denn?" Die Beiden gingen in die Küche. Sharon sah ihm nach. "Er sieht seinem Papa sehr ähnlich. Ist er... ein... Ein was? Ein Todesvampir?"
"Nein, ein Halbgott." sagte Damian. "Abraxas ist ein Dhampir. Also mehr Mensch als Monster. Das Vampirblut ist zwar stark, wird aber von Hels göttlicher Abstammung komplett unterdrückt. Und sie hat noch Glück, viele Dhampire zeugen gar keine Kinder. Sie sind zeugungsunfähig." Sharon blinzelte. "Warum?" fragte sie. "Viele Hybriden sind das. Ihr Genmaterial ist nicht zur Reproduktion fähig, so wie das bei Maultieren auch der Fall ist. Ihre Keimzellen sind instabil." Sharon seufzte. "Oje, ich hätte im Unterricht bei dem Thema besser aufpassen müssen." Cole nickte und Millenia musste lächeln. "Ich hab davon auch keine Ahnung." Damian lächelte. "Für die meisten Wesen braucht man auch nur die Grundzüge der Vererbung."
"Is mir trotzdem zu hoch." sagte Leni und Sharon gleichzeitig und mussten dann lachen. Dann hörte man im ersten Stock eine Mädchenstimme. "Mami? Mami! Kaputt." Hel trat an die Treppe. "Was ist kaputt, mein Schatz?" Die Mädchenstimme antwortete ganz verwirrt: "Meine Socke, Mami. Mein Zeh kommt vorne raus." Hel musste kichern. "Dann zieh doch frische Socken an."
"Is gut. Mami, darf ich auch runter kommen?" fragte das Kind. "Aber natürlich." antwortete Hel. Dem Gespräch zuzuhören erfreute Sharon irgendwo. Kinder waren einfach süß. Sie bezweifelte zwar oft, selbst eine gute Mutter zu sein, aber die kindliche Unschuld von Hels kleiner Tochter war erfrischend niedlich in so einer dunklen, grausigen Zeit. Das Mädchen erschien am oberen Treppenabsatz. "Hand?" fragte sie. Hel ging hinauf und gab ihrer Tochter die Hand. Vorsichtig und mit einer Hand am Geländer tappste sie die Treppe hinunter. Wie ihr Bruder hatte sie schwarzes Haar, aber braune Augen. Sie trug ein hübsches lilanes Kleid und weiße Socken. Am Fuß der Treppe lächelte sie stolz, dann bemerkte sie die Gäste. „Schau mal, Nelina, wir haben Besuch.“ sagte Hel. Das Mädchen winkte scheu. „Hallo.“ sagte sie leise. „Hallo, Nelina, geht es dir gut?“ fragte Damian. Sie nickte schnell. „Du hast aber ein hübsches Kleid an.“ sagte Millenia sanft. Das Mädchen lächelte. „Danke.“ Sharon merkte, das Leni bei dem Anblick ebenfalls lächeln musste, so zuckersüß war das kleine Kind. Auch Sharon freute sich darüber. Die Welt ging unter. Die Menschheit war fast komplett ausgelöscht. Die Bäume waren verdorrt, die Tiere verschwunden, der Himmel rot und grau, es sangen keine Vögel, es gab keine Sonne, nirgendwo waren Blumen zu sehen. Aber es gab noch lächelnde Kinder. Und das machte Sharon Hoffnung. Hoffnung darauf, das alles wieder gut werden würde.

Hel hatte ein überraschend leckeres Essen aus all den Dosen gezaubert. Sie und Millenia waren in der Küche und machten sauber und den Abwasch. Fließendes Wasser gab es nicht. Damian holte gerade Wasser. Cole und Sharon hatten gerade das Geschirr in die Küche gebracht und waren jetzt damit beschäftigt, den Tisch abzuwischen und die Stühle wieder wegzuräumen. Sharon sah ihn kurz an. „Es ist so schwer zu verstehen, das viel Zeit vergangen ist.“ sagte sie kopfschüttelnd. „Ihr alle habt euch kaum verändert.“ Cole lächelte ein wenig. „Ja, äußerlich wirklich nicht. Erst so nach und nach begreifen wir, was es bedeutet, unsterblich zu sein.“ Sharon warf einen Blick aus dem Fenster. „Ja, geht mir auch so. Dinge verändern sich und einiges wird nie wieder so wie früher. Das wird sicher schwer.“ Beide seufzten.
Sharon sah auf. „Ist denn… ist denn Daddy nicht hier?“ fragt sie. Sie hatte gehofft, ihn zu hier zu treffen, aber sie hatte noch nichts gesehen. Cole seufzte wieder und setzte sich auf das Sofa. Er bedeutete ihr, sich neben ihn zu setzen. Sharon spürte, wie ihr Puls in die Höhe schoss. Langsam sank sie auf das Sofa. „Sharon, wo dein Vater ist… das wissen wir nicht.“ Sie blinzelte ihn an. „Was soll das heißen? Was ist passiert?“ Cole dachte einen Moment nach. „Dein Vater war auf der Arbeit sozusagen, er hat Nero beschützt.“ Sharon nickte. Das wusste sie. „Nero war… sagen wir mal so, bei den Dämonen nicht besonders beliebt. Dein Vater war mit Nero in dessen Wohnung als… Neros Wohnung liegt ja im Elfenbeinturm und… Naja, es… gibt den Elfenbeinturm nicht mehr.“ Sharon spürte, wie sie blass wurde. „Sie haben ihn gesprengt. Er ist komplett kollabiert wie die Twin Towers.“ Sharon stiegen die Tränen in die Augen. „Aber in den Trümmern haben wir weder seine noch Neros Leiche gefunden.“ sagte Cole schnell. „Vielleicht regeneriert er noch irgendwo und… kommt dann zurück… wenn er fertig ist… irgendwann…“ Sharon schluckte schwer. „Also ist mein Dad… nicht mehr da?“ Cole sah sie mitfühlend an. „Er ist nur nicht mehr in unserer Nähe. Aber egal, wo er ist, er ist immer hier.“ sagte er und deutete auf die Stelle in Sharon Brust, an der einmal ihr Herz geschlagen hatte. Sharon legte die Hand darauf. „Ja… da hast du Recht… Ich werde ihn finden und nach Hause bringen.“ sagte sie leise. „Egal, wo und in welchem Zustand er ist. Ich hole ihn nach Hause.“

Damian kam zurück. „Wir sollten fahren, bevor es dunkel wird.“ sagte er. Cole nickte. „Besser ist das. Nachts kommen die Nightwalker raus und dann sind die einfach überall. Tagsüber sind sie lieber im Schatten.“ fügte er auf Sharon fragenden Blick hin hinzu. Sie halfen Hel beim Aufräumen, dann verabschiedeten sie sich und kletterten in das Auto. Sharon und Millenia setzten sich auf die Rückbank und Millenia griff direkt nach einer Decke. „Es ist jetzt schon kühl und dann noch in die Tunnel…“ Sie schüttelte sich und reichte auch Sharon eine. Sie legte sie sich eilig auf den Schoß. Diesmal warf Cole mit den Signalfackeln, während Damian fuhr. Sharon vermied den Blick aus dem Fenster. Sie hatte Zombies noch nie gemocht und es war für sie ein wahr gewordener Alptraum, das New York jetzt nur so von ihnen wimmelte. Deswegen atmete sie auf, als sie das Ende der Tunnel kurz vor dem Metropolitan sehen konnte. „Vorsicht!“ sagte Cole plötzlich und Damian legte eine lupenreine Vollbremsung hin. „Was ist los?“ fragte Millenia, die beinahe mit der Kopfstütze des Fahrersitzes Bekanntschaft gemacht hätte. „Seht ihr die Schatten am Boden?“ fragte Cole leise. Sharon lehnte sich ein wenig vor und da fielen sie ihr auch auf. „Was ist das?“
„Harpyien.“ sagte Damian. „Sie spähen für Lucifer die Stadt aus. Mist. Wenn die uns sehen, haben wir ein Problem.“ Langsam rollten sie ein wenig zurück. „Jetzt heißt es warten.“ Also taten sie das, während sie die Schatten am Boden im Auge zu behalten versuchten. „Ich werd aussteigen, dann sehe ich sie besser.“ sagte Cole. „Sei aber vorsichtig.“ mahnte Damian. Cole nickte und öffnete so leise er konnte die Tür. Er schlich im Schutz der Schatten bis vorne an die Tunnelöffnung, wo er sich hinhockte und zum Himmel aufsah. Sharon beobachtete ihn gespannt. Plötzlich hatte sie Angst, das Cole entdeckt werden könnte. „Sind Harpyien stark genug, um einen Menschen wegzutragen?“ fragte sie leise. Damian nickte. „Ja, die sind ziemlich stark.“ Sharon kaute ohne es zu merken an ihrem Daumennagel. Die Schatten wanderten, dann hielt einer still, ganz plötzlich und näherte sich dann vorsichtig Coles Position. Sharon spürte, wie ihr Herz immer schneller schlug, bis es wehtat und dann… Ein Ruck ging durch das Auto und Sharon entfuhr ein erschrockener Aufschrei. Sie wirbelte herum und durch das Rückfenster sah sie nichts anderes als filzige Haare und verfaulendes Fleisch. „Iiiiihhhhh!“ Millenia starrte ebenso entsetzt zurück. „Damian!“ Er fluchte vorne. „Verdammt.“ Er trat auf die Kupplung und sofort erwachte der Motor zum Leben. Cole kam angerannt und riss die Beifahrertür auf. Einer der Nightwalker packte ihn am Arm, aber zu Schmecken bekam er nur Coles Faust. Er knallte die Tür zu. Jetzt waren die Untoten schon überall und tatschten an die Fenster. Sharon wich so weit sie konnte in die Mitte des Autos zurück. Damian trat aufs Gas. Offenbar waren ihm die Harpyien lieber als die Nightwalker. Im ersten Moment drehten die Reifen durch, dann bekam der Wagen Grip und schoß aus dem Tunnel heraus. Damian nutzte die Scheibenwischer, um das Blut der Walker, die er überfahren hatte, von der Windschutzscheibe zu bekommen. Sharon krallte sich in die Decke und kämpfte mit ihrem Magen. Das Blut war schwarz und roch verfault und alt. Millenia war ebenfalls ganz blass geworden. Cole sah nach oben. „Sie haben uns gesehen, fahr!“ Damian nahm den Blick nicht von der Straße. „Anschnallen.“ sagte er streng. Zittrig tastete Sharon nach dem Sicherheitsgurt und schaffte es, sich schnell anzuschnallen. Sie rasten und fuhren ständig in Gebäude hinein, damit die Harpyien ihre Spur verloren. Schlussendlich landeten sie in einer Mall. „Wenn wir sie nicht loswerden, verraten wir uns.“ knurrte Damian. Er öffnete de Mittelkonsole und Cole das Handschuhfach und beide zogen eine Waffe. Millenia sah sie an. „Was wird das?“ Cole checkte das Magazin. „Sie dürfen uns nicht folgen, also bleibt uns nicht viel übrig, als sie zu töten.“ Sharon sah die Waffe an. „Dann komme ich mit.“ Millenia nickte eifrig. „Ich auch.“

Cole drückte Sharon eine kleine silberne Pistole in die Hand. Sie war überraschend schwer. „Weißt du, wie es geht?“ Sharon entsicherte die Waffe. „Ich habe vielleicht 12 Jahre geschlafen, aber davon gemerkt habe ich nichts. Also habe ich auch nichts vergessen.“ Cole schmunzelte. „Ja? Na, dann kann ich dir ja ne Anatomie-HÜ vorsetzten.“ Ihre Haare sträubten sich. „Ich warne dich.“ Er kicherte leise. „Vielleicht später.“ Gemeinsam schlichen sie das Treppenhaus hinauf. Von den eingeschlagenen Fensterfronten aus konnte man hervorragend zielen. Sie lehnten sich links und rechts davon an die Wand und warteten, bis eines der Federviecher in die Reichweite ihrer Waffen kamen. Sharon nahm sich einen Moment, um Cole dabei zu beobachten. Seine Bewegungen waren ruhig und abgeklärt. Er wirkte nicht ungeduldig oder wütend, so wie früher oft. Er hatte 12 Jahre zum Üben gehabt und man sah, das er genau das getan hatte. Er wirkte kräftiger als früher und sicherer. Als habe er endlich verstanden, wer er war und was er tat. Sie sah ihn nochmal genau an, bevor sie in den Himmel spähte. Manchmal fragte sie sich, ob sie auch einmal verstehen würde, was ihr Leben für einen Sinn hatte.
Cole wand sich vor und seine Waffe gab einen lauten tiefen Knall von sich. Eine der Harpyien kreischte entsetzlich auf. Cole feuerte nochmal und sie fiel aus dem Himmel wie ein Stein. Die Anderen wandten sich zu dem Treppenhaus um. Cole zielte auf die Nächste, während Sharon eine Harpyie ins Visier nahm, die sich von rechts näherte. Sie eröffnete das Feuer und der Rückstoß war doch stärker als erwartet. Sie drückte dreimal ab, aber diese Wesen in der Luft zu treffen, war extrem schwierig. Ihre Hand schmerzte ein bisschen. „Verflixt, sind die flink.“ schimpfte sie. Cole nickte. „Ja, allerdings.“ Sharon trat vor und gab nochmal vier Schüsse ab. Diesmal traf sie einen Flügel und eines der Wesen kippte seitlich vom Himmel.
Sie brauchten fast eine Viertelstunde, um die sechs schnellen Harpyien vom Himmel zu holen. Dann liefen sie schnell zurück zum Auto und Cole sprang hinter das Steuer. Sharon setzte sich neben ihn. „Jetzt schnell.“ murmelte er, startete den Motor und fuhr auf die andere Seite der Shopping Mall, wo er abrupt anhielt, damit Damian und Millenia hinten einsteigen konnten. Sie schlugen die Türen zu, da gab er schon wieder Gas. Sharon ertappte sich dabei, wie sie sich an ihrem Sitz festklammerte. So schnell zu fahren machte ihr immer noch Angst. Sie rauschten durch die Innenstadt und zum Museum, bevor neue Späher am Himmel auftauchen konnten. „Was ist denn das?“ fragte Millenia und Sharon sah verwirrt in die Richtung, in die auch Millenia sah. Am Himmel erhob sch die Silhouette eines dunkel aussehenden Gebäudes. „Ist das der Freedom Tower?“ Sharon sah genauer hin. Tatsache, an dieser Stelle stand der Freedom Tower. „Das war er.“ sagte Damian bitter. „Jetzt ist es Lucifers private Residenz. Er und einige seiner Sklaven und seine Gefangenen leben dort.“ Millenia sah ihn an. „Er hat Sklaven?“ Damian nickte. „Ja, jeder, der ihm in die Finger gerät.“ Sharon grauste es. „Jeder… Hat er… Leute aus der Allianz getötet?“ Damian sah sie an. „Eigenhändig?“ Sharon nickte. „Ja.“ sagte Damian. Sharon spürte Millenias Wut. „Dafür wird er bezahlen. Das verspreche ich ihm.“ Sie starrte weiter auf den Turm, bis er aus ihrem Blickfeld verschwand und sie zurück in das Metropolitan fuhren.

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